Schoftim
Lieber Leser,
"Richter und Beamte sollst du dir in all deinen Toren einsetzen" (Deut. 16, 18). Mit diesen Worten beginnt die heutige Sidra und legt dadurch fest, dass es Gerichtshöfe geben muss, wo immer jüdische Gemeinden bestehen – außerhalb des Heiligen Landes genauso wie innerhalb. Die Städte der Zuflucht dagegen sollten nur innerhalb des Heiligen Landes eingerichtet werden. Warum wird dieser Unterschied gemacht? Um es zu verstehen, muss man die Symbolik der Dinge würdigen.
Die Städte der Zuflucht versinnbildlichen Tschuwa (reuige Umkehr) und Vergebung. Wer einen zufälligen Totschlag oder sogar einen vorsätzlichen Mord begangen hatte, erhielt die Möglichkeit, in eine dieser Städte zu fliehen, um so Zuflucht zu finden vor den auf Rache sinnenden Angehörigen des Ermordeten. Während er sich in der Stadt aufhielt, durfte ihm niemand etwas antun; er war in Sicherheit, bis das Gericht über seinen Fall entschieden hatte. Wenn dann das Gerichtsurteil wirklich auf einen nicht vorsätzlichen Totschlag lautete, ordnete es sein weiteres Verbleiben in der Stadt der Zuflucht an, im Zustande von "Galut" (Exil), fern seiner Wohnstätte, damit er auf diese Weise für seine Tat sühnte.
Gerichtshöfe ihrerseits versinnbildlichen gleichzeitig Sühne wie auch Läuterung, denn das eigentliche und schließliche Ziel des Tora-Gerichtes bestand nicht in der Bestrafung sondern in der Erhöhung und Läuterung des Schuldigen.
Schabbat Schalom
Alle sind sich einig, dass Gerechtigkeit wichtig ist, doch Gerechtigkeit ist schwer zu fassen. Selbst in diesem großartigen Land, im 21. Jahrhundert, gibt es ernsthafte Zweifel daran, ob unser Strafrechtssystem noch einen langen Weg vor sich hat, um sicherzustellen, dass jeder Einzelne auf gleichen Zugang zur Justiz zählen kann.
In der Kirche hatte ich mich immer wie eine Betrügerin gefühlt, war ziemlich hin- und hergerissen, wusste aber nicht, wie ich anfangen sollte, mein Leben als Jüdin zu leben. Also schleppte ich mich weiter durch den Alltag, bis weit ins mittlere Alter hinein, ohne zu wissen, wo ich anfangen sollte.
Wir verbringen unsere Jugend damit, Zynismus zu entwickeln, und dann wird plötzlich von uns erwartet, dass wir all diese großen Veränderungen im Leben vornehmen – wie Heiraten und Kinder bekommen –, die Vertrauen in unsere Mitmenschen erfordern, ganz zu schweigen vom Vertrauen in uns selbst …
Der Rambam schreibt: Tschuwa bringt jene näher zu G-tt, die sich von ihm entfernt haben. Vor seiner Reue gilt der Sünder als unwürdig vor G-tt. Nach seiner Reue wird er geliebt und steht G-tt nahe wie ein Freund. Ist das nicht erstaunlich?
Du wirst in einen kleinen Raum gebracht, in dem die Zeit Jahrhunderte stillgestanden hat. Die Flamme einer Öllampe flackert auf dem Tisch; heilige Bücher bedecken jeden Quadratzentimeter der Wände.
Als G-ttes Kinder müssen wir unser Handeln, unsere Kleidung, unser Aussehen gemäss dieser Rolle anpassen und uns voller Bescheidenheit und Würde verhalten.
